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kbo-Berufsfachschule für Pflege wird „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Die kbo-Berufsfachschule für Pflege am kbo-Inn-Salzach-Klinikum wurde in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aufgenommen. Die offizielle Verleihung findet im Juli statt – bereits jetzt setzen Schülerinnen und Schüler mit ersten Projekten ein klares Zeichen für Vielfalt, Respekt und gelebte Erinnerungskultur.

Das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ steht für eine klare Haltung: Schulen verpflichten sich, aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung einzutreten und entsprechende Themen dauerhaft im Schulalltag zu verankern. Ziel ist es, Zivilcourage zu fördern und junge Menschen darin zu stärken, Verantwortung für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander zu übernehmen. Schirmherr der Initiative ist Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger, der die Auszeichnung ausdrücklich würdigt: „Der Bezirk Oberbayern hat die Vision, soziale und kulturelle Heimat für ein lebenswertes Miteinander in Oberbayern zu gestalten. Deswegen begrüße ich es sehr, dass unsere Berufsfachschulen am kbo-Inn-Salzach-Klinikum zur ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ ernannt wurden. Hier werden Menschen mit unterschiedlichster Herkunft unterrichtet – Toleranz und Fairness sind daher zentrale Werte. Im Namen des Bezirks gratuliere ich herzlich zu dieser Auszeichnung!“

Die Berufsfachschule lebt diese Werte bereits heute im Alltag: Schülerinnen und Schüler aus zahlreichen Herkunftsländern lernen und arbeiten hier gemeinsam. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe werden dabei nicht als Herausforderung, sondern als Bereicherung verstanden. Vielfalt und Integration sind fester Bestandteil des Schulalltags und prägen das Miteinander ebenso wie die Ausbildung selbst. Ein konkretes Beispiel dafür ist ein eigens organisierter Sprachkurs in Kooperation mit der Volkshochschule Wasserburg. Das Angebot richtet sich gezielt an ausländische Auszubildende und unterstützt sie dabei, sprachliche Hürden im Berufsalltag zu überwinden und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln.

Ein erster Baustein im Rahmen der Auszeichnung war ein Projekt im Pflegekurs, das sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzte. Ausgangspunkt war eine kürzliche Exkursion zur Dokumentation Obersalzberg. Dort setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Rolle des Obersalzbergs als historischer Ort nationalsozialistischer Machtinszenierung auseinander. Die Ausstellung machte deutlich, wie gezielt Propaganda eingesetzt wurde, um ein verzerrtes Bild der Realität zu erzeugen. Diese Eindrücke wurden im Unterricht aufgegriffen und kritisch reflektiert.

Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung präsentierten die Auszubildenden anschließend in Form von Plakaten. Darin stellten sie zentrale Gegensätze heraus: Propaganda versus Realität, Ausgrenzung versus Zusammenleben sowie geschlossene versus offene Gesellschaft. Besonders eindrücklich wurde dabei der Kontrast zwischen der bewusst erzeugten „heilen Welt“ und der tatsächlichen Realität des NS-Regimes. „Die Menschen sollten das Regime als positiv, stabil und normal wahrnehmen, in Realität herrschte Terror, Unterdrückung und systematische Unterdrückung“, hielt eine Schülergruppe in ihrer Präsentation fest. Gleichzeitig wurde der Bogen zur Gegenwart geschlagen: „Im Gegensatz zur NS-Zeit leben heute in Deutschland Menschen verschiedener Kulturen gleichberechtigt zusammen. Das Grundgesetz schützt ihre Rechte und Würde.“

Auch die Frage nach Zugehörigkeit und Ausgrenzung wurde intensiv diskutiert. „Gemeinschaft kann Halt geben, aber auch dazu führen, dass andere ausgeschlossen werden. Wer gehört dazu und wer nicht?“ – diese Überlegung zog sich als zentrales Thema durch die Arbeiten. Schulleiter Florian Scharfen ordnet das Projekt ein: „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung. Sie schärft den Blick für Verantwortung und hilft uns, eine gerechte Zukunft aktiv zu gestalten – gerade in einem Berufsfeld, in dem der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen im Mittelpunkt steht.“ Auch Klinikgeschäftsführer Dr. Karsten Jens Adamski betont die Bedeutung der Initiative: „Die Auszeichnung als ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ ist ein starkes Signal und für uns Bestätigung und Auftrag zugleich. Sie zeigt, dass wir uns nicht nur fachlich, sondern auch gesellschaftlich klar positionieren und Verantwortung übernehmen. Unsere Berufsfachschule zeigt, wie Integration im Alltag gelingen kann: Wir wollen unseren Schülerinnen und Schülern nicht nur fachliche Kompetenzen vermitteln, sondern auch ihre Haltung stärken.“

Ein weiteres sichtbares Zeichen für gelebte Vielfalt ist die künstlerische Gestaltung des Aufenthaltsraums der Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Vielfalt & Verbundenheit“. In den vergangenen Wochen haben mehrere kreative Auszubildende den Raum eigenständig konzipiert und gestaltet. Das Ergebnis ist ein Ort, der die Werte der Schule widerspiegelt und zugleich Raum für Begegnung und Austausch schafft. Bis zur offiziellen Verleihung im Juli werden weitere Projekte folgen, die sich mit Themen wie Vielfalt, Diskriminierung und Zivilcourage beschäftigen. Ziel ist es, die Werte des Netzwerks nachhaltig im Schulalltag zu verankern und aktiv zu leben.