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Angst Online I Update 2021

Bei der jährlich stattfindenden Fortbildungsveranstaltung der Gesellschaft für Angstforschung berichteten in diesem Jahr Expertinnen und Experten aus Medizin und Psychologie über neuste Entwicklungen im Bereich der Angsterkrankungen – auch unter dem Aspekt der Coronapandemie.

Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, führte durch die Online-Veranstaltung, zu der sich rund 650 Teilnehmer aus ganz Deutschland zugeschalten hatten.
In fünf Impulsvorträgen stellten Referentinnen und Referenten aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zu Angsterkrankungen vor.

Unter dem Schlagwort „Update Psychotherapie“ berichtete Prof. Dr. Jürgen Hoyer (Institutsambulanz und Tagesklinik für Psychotherapie, Technische Universität Dresden) über neue Formen der Angsttherapie und inwiefern auch Methoden der Meditation oder Yoga zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen können.
Prof. Dr. Borwin Bandelow (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Göttingen) stellte mit „Update Pharmakotherapie“ den Teilnehmern medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten von Panik- und Angststörungen vor. Neben langjährig bewährten Medikamenten gibt es dabei auch Neu-Entwicklungen, die besonders unter dem Aspekt geringer Nebenwirkungen bei möglichst effektiver Wirkung für Therapien interessant sind.

Prof. Dr. Dr. Katharina Domschkes (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg) Schwerpunkt liegt in der Prävention von Angsterkrankungen. Ihr Credo ist, dass jede verhinderte Erkrankung, Patienten den mühsamen Weg durch Therapien ersparen kann. Dabei stellt sich die Frage, wann genau der richtige Zeitpunkt der Vorbeugung ist. Studien verweisen dabei häufig auf das Kindes- und Jugendalter. Mit gezielter, aber auch universeller Prävention können hier verschiedene Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit sich Angsterkrankungen gar nicht erst manifestieren.

„Welche technologischen Möglichkeiten haben wir zur Behandlung von Angsterkrankungen?“ fragt Dr. Julia Diemer in ihrer Forschung. Sie ist Spezialistin für Therapieformen mit Virtueller Realität (VR) am kbo-Inn-Salzach-Klinikum. Die Vorteile einer Expositionstherapie sind zum Beispiel gezielte Wiederholung, Wetterunabhängigkeit und der geschützte Rahmen, in dem eine Therapie mit VR ausgeführt werden kann. Zudem berichtete Dr. Julia Diemer zum Trend sog. Digitaler Gesundheitsanwendungen, die neue Versorgungsangebote in Aussicht stellen.

Den Abschluss der Online-Veranstaltung bildet Dr. Moritz Petzolds (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité – Universitätsmedizin Berlin) Vortrag zum Themenschwerpunkt „Angst und Corona“. Er und sein Team untersuchen nun bereits seit knapp einem Jahr anhand von Studien, dass sich die psychische Belastung durch Social distancing, Lockdown und Ausgangsbeschränkungen nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung erhöht hat. Ein Anstieg psychischer Erkrankungen kann bereits heute festgestellt werden, dazu trägt unter anderem bei vielen Patienten die fast permanente Beschäftigung über die Coronapandemie bei, ebenso wie ein übertriebener Medienkonsum, z.B. dem ständigen Verfolgen der Nachrichten.

Zwischen den Vorträgen hatten die Teilnehmer die zahlreich genutzte Möglichkeit, ihre Fragen an die Referenten zu richten. Eingerahmt wurde die Veranstaltung durch die Moderation von Prof. Dr. Peter Zwanzger, der Fragen der Teilnehmer aufnahm und durch die Diskussion mit den Expertinnen und Experten führte.

27. Januar 2021