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Gabersee während des Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten kamen im Januar 1933 an die Macht. Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom Juli 1933 war die gesetzliche Grundlage für den Terror gegen Kranke und Behinderte! In der Folge wurden viele Gaberseer Patienten zwangssterilisiert. Die Operationen fanden im Wasserburger Krankenhaus statt.
Aus Körperverletzung wurde Mord: Der auf den 01. September 1939 rückdatierte Euthanasiebefehl war der Startschuss für die T4-Aktionen. Reichleiter Bouhler und Dr. Brandt waren schriftlich beauftragt, den Befehl umzusetzen. Die Zentrale der Organisation wurde in Berlin an der Tiergartenstr. 4 eingerichtet, daher der Name T4. Von hier aus wurde das Morden in tödlicher Präzision geplant.
Zunächst entstanden die sogenannten Reichsanstalten. Ausgewählte Behinderteneinrichtungen oder Krankenhäuser wurden nach dem Einbau von Gaskammern und Krematorien zu Stätten organisierten Mordens. Für Südostdeutschland und Österreich „zuständig“ war Hartheim bei Linz.
Ab dem Frühjahr 1940 mussten alle Patienten und Bewohner der deutschen Psychiatrien und Behinderteneinrichtungen mittels Meldebögen bei der Dienststelle T4 angezeigt werden. In einem vereinfachten Verfahren anhand von vier Fragestellungen entschieden Gutachter auf dem Papier über Leben und Tod! Negative Aussagen zur Diagnose und deren Zukunftsaussichten, fehlender Angehörigenkontakt sowie eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit reichten aus, um ein Menschenleben zu vernichten.
Kurze Zeit später begannen in Grafeneck auf der schwäbischen Alb die systematische Ermordung der Bewohner von Pflegeheimen und der Psychiatriepatienten.
Der Gaberseer Anstaltsdirektor Dr. Friedrich Utz verzögerte die Rücksendung der Meldebögen so lange er konnte. Im August 1940 erschien dann in Gabersee eine 12-köpfige Kommission aus Berlin und führte die geforderte Patientenbegutachtung durch. Wenige Wochen später kam aus Berlin eine Nachricht über sog. „Verlegungsvorhaben“. Der Mitteilung war eine Liste mit den Namen der zur Tötung vorgesehenen Patienten beigelegt.
Um wenig Aufsehen zu erregen wurden an der Bahnlinie Reitmehring -Wasserburg Eisenbahnwaggons bereitgestellt.
Im Morgengrauen des 07. und 29. November 1940 wurden dort 360 Patientinnen und Patienten „verladen“ und direkt nach Linz Niedernhart transportiert. Von dort aus übernahmen die berüchtigten grauen GeKrat-Busse (Gemeinnützigen Krankentransportgesellschaft) den letzten Weg in das Hartheimer Mordschloss. Am 15. Januar 1941 wurden weitere 266 Patientinnen und Patienten mit der Bahn ab dem Reitmehringer Bahnhof nach Eglfing-Haar verlegt. 149 kamen nach einer weiteren Selektion zwei Tage später direkt nach Niedernhart und wenig später nach Hartheim. Damit ist belegt, dass insgesamt 509 Patientinnen und Patienten aus Gabersee der Aktion T4 zum Opfer gefallen sind.
Nach neuesten Forschungen ist belegt, dass im Rahmen der sog. „Wilden Euthanasie“ in Haar noch viele Gaberseer Patienten ums Leben gekommen sind. Insgesamt wurden 637 Patienten Opfer des Nationalsozialismus.

Gabersee wurde offiziell zum 01. April 1941 als Krankenhaus aufgelöst und von den Machthabern als Heim für Kinderlandverschickung, später als Lazarett und gegen Kriegsende als Standort für einen Luftwaffenstab genutzt. Am 02. Mai 1945 besetzten die Amerikaner Gabersee und beendeten diese düstere Zeit!

Den Gaberseer Opfern wird seit Januar 2020 auf dem Wasserburger Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus namentlich gedacht. Weitere Informationen finden Sie hier: www.gedenken.wasserburg.de 

Rechercheantrag

Hier können Sie den Antrag auf Recherche über ehemalige Patienten der Heil- u. Pflegeanstalt Gabersee herunterladen.

Der Antrag können Sie per Fax oder postalisch zusenden an:

kbo-Inn-Salzach-Klinikum
Ärztliche Direktion
Gabersee 7, 83512 Wasserburg am Inn
Tel.: +49 8071 71-215
Fax: +49 8071 71-318

 

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